Die Geschichte eines Buchs

Wie lange dauert es von der Idee zum fertigen Buch? Welche Schritte gibt es?
Bei mir hat es dreieinhalb Jahre gedauert. Kaum zu glauben, oder?

Die Idee ist bereits 2016 auf einer Reise nach Dublin entstanden. Während in der irischen Hauptstadt die Literaturgeschichte zu sehen, zu spüren und zu erleben ist, ist mir das in Wien, wo ich zu diesem Zeitpunkt lebte, nicht aufgefallen.

Ich begann zu recherchieren, aber konnte nichts finden. Ja, das Literaturmuseum wurde 2015 eröffnet und es gab diverse Statuen großer Literaten (allerdings vor allem auch von deutschen Literaten und nicht von Wiener Literaten). Ein Buch, wie ich es mir vorstellte, aufgebaut wie ein Reiseführer mit Fotos, Hintergrundinformationen, vielleicht auch mit Schreibimpulsen, gab es nicht.

Ich machte mich also daran, selbst ein Konzept zu verfassen. Es waren lose Idee, die rückblickend ausreichend für drei Bücher gewesen wären. Dann schrieb ich verschiedene Verlage an, ob sie nicht Interesse an so einem Buch hätten. Die ersten Absagen kamen bereits nach wenigen Tage. Teilweise wurde mir ein Interesse an so einem Buch versichert, aber die Absage mit dem geringen Marktpotential begründet. Auf Rückmeldungen mancher anderer Verlage warte ich bis jetzt.

Erst etwa ein Jahr, im Sommer 2017, später stieß ich durch Zufall darauf, dass der Falter Verlag (den ich nur für seine Krimis kannte) auch Reiseführer und vor allem sehr spezialisierte Führer über Wien herausbringt. Ich überarbeitete mein mittlerweile veraltetes Konzept ein wenig, aktualisierte meinen Lebenslauf und versuchte es erneut.

Drei Monate später bekam ich eine Antwort. Ja, sie hätten Interesse und wir sollten uns einmal auf ein Gespräch zusammensetzen. In den Monaten hatte sich mein Leben jedoch gänzlich verändert: Ich war mehr oder weniger spontan nach Dänemark gezogen und wusste nicht, ob es nun für mich möglich sein würde, über Wien zu schreiben, wenn ich dort gar nicht mehr lebte.

Gemeinsam mit dem Verlag wurden die vielen Ideen konkretisiert. Manche Einfälle von mir wurden gestrichen, dafür kamen andere Konzepte hinzu. Doch, ob die Zusammenarbeit wirklich bis zu einem Buch reichen würde? Ich traute mich noch nicht wirklich, zu hoffen.

Erst als im Frühling 2018 der besprochene Autorenvertrag bei mir eintraf, wurde ein wenig gefeiert. Aber erst dann begann die wahre Arbeit. Meine losen Recherchen und Ideen mussten zu Wörtern, Texten, Kapitel – zu einem Manuskript werden. Auch dabei unterstützte mich der Verlag, denn immer wieder war es nicht ganz klar, wer oder was einen Platz bekommen sollte, wie das Buch am besten aufgebaut ist und wie viele Zeilen welcher Sache gewidmet werden sollte.

Im Frühjahr 2019 war der erste Entwurf fertig. Ich war mittlerweile nach eineinhalb Jahren im Ausland zurück nach Wien gezogen und konnte die letzten Wochen mit intensiver Vor-Ort-Recherche nutzen. Und obwohl ich dachte, mir die Zeit gut eingeteilt zu haben, gab es viele Nachtschichten, … und letztendlich eine etwas zu späte Abgabe.

Dann begann die zweite große Phase des Wartens. Aber dieses Mal hatte ich größere Hoffnungen als beim ersten Mal, als ich noch nicht einmal wusste, ob meine Idee bei einem Verlag ankommen würde.

Tatsächlich dauerte es noch einmal fast ein halbes Jahr bis zur Rückmeldung zum Manuskript: Und es sollte noch einmal eine ausführliche Überarbeitung passieren. Skeptisches und kritisches Feedback sind schwer zu hören, aber sie sind das, was letztendlich ein gutes Buch ausmacht, weshalb ich mich voller Energie in die Arbeit stürzte.

Nun musste alles schneller gehen, denn das Buch sollte noch vor der Buch Wien erscheinen. Die Enttäuschung, als ich erfuhr, es würde sich nicht bis zur Buchmesse ausgehen, war groß. Trotzdem ging es weiter. Zuerst ins Lektorat. Dann zurück zur Überarbeitung: Das Buch war zu lange. Etwa 10 Prozent mussten gestrichen werden. Und wieder ins Lektorat und dieses Mal auch ins Korrektorat. Der neue Erscheinungstermin wurde mit Januar 2020 festgelegt. Bis dahin fehlte jedoch noch der Buchsatz, das Layout, die Formatierungen und die Fotos, genauso wie Coverdesign und Klappentext.

Es ist für mich als Autorin eine gemischte Zusammensetzung der Gefühle, denn diese Zeit bedeutete einerseits ein wenig Erholung und Abstand zum Buch (für mich gab es nichts zu tun), andererseits war es schwierig, mein Manuskript, in das ich so viel Zeit und Mühe investiert hatte, abzugeben und loszulassen. Aber ich wusste, ich würde es noch einmal fertig gesetzt und mit den Bildern prüfen.

Das wurde zur längsten Nacht meines Lebens. Dank einiger Vorbestellungen des Buches musste es früher in Druck gehen, als gedacht. Die Zeit drängte und so kam es, dass ich genau eine Nacht Zeit hatte, um die Prüfung durchzuführen. Von sieben Uhr abends bis sechs Uhr morgens las ich mein Buch das letzte Mal vor dem Druck. Ohne Pause notierte ich Tippfehler, Layout-Problematiken und – ich nehme an, das Mühsamste für den Verlag – (stilistische) Änderungswünsche im Text.

Nach elf Stunden Arbeit wurde mein Bildschirm ein wenig verschwommen und ich schickte zwölf Seiten an Korrekturvorschlägen zurück an den Verlag. War es wirklich vorbei? Schlaf kam an diesem Vormittag trotz der Übermüdung nur schwer. Ich konnte es nicht glauben. Jetzt hatte ich es also wirklich beendet. Mein erstes Buch, das in einem Verlag erscheinen würde.

Wie das aber so ist, konnte ich noch nicht wirklich loslassen und ich begann, zu planen, wie es denn jetzt weiter gehen sollte. Diesen Blog literaturPUNKTwien hatte ich bereits begonnen, aber nicht befüllt. Was sollte hier alles einen Platz finden? Wie würde ich damit fortfahren?

Und so entschied ich mich, zuerst die Reise meines Buches zu dokumentieren, wie aus meiner Idee im Urlaub der Literaturführer wurde, den ich schon bald in meinen Händen halten kann.

Letztendlich bleibt mir jetzt nur noch zu hoffen, dass auch mit dem Cover und im Druck alles gut geht und mein Buch-Baby viele Lesende findet, die sich auf die literarische Spurensuche in Wien begeben.